Freitag, 5. Juli 2013

Polen hält an seinen Plänen zum Bau von Kernkraftwerken fest

Die Nachricht, Polen wolle den geplanten Bau zweier Atomkraftwerke um 20 Jahre verschieben, wurde von Atomkraftgegenern in Deutschland mit Begeisterung aufgenommen, weil man darin eine Bestätigung der eigenen Anstrengungen sah. contrAtom zog am 22.06.2013 aus der Mitteilung die Schlussfolgerung, "in Polen, einem der wenigen europäischen Länder, das bisher über keine Atomkraftwerke verfügt, werden auch in absehbarer Zukunft keine gebaut. Atomkraftgegner hatten vehement gegen die Pläne protestiert."
  • Eine Woche zuvor, am 13.06.2013, hatte der Bayerische Rundfunk berichtet, Polen wolle mit dem ersten AKW 2020 ans Netz gehen.
  • Am 19.06.2013 informierte Polskie Radio, der Bau des ersten polnischen Kernkraftwerkes rücke in die weitere Zukunft. Premierminister Donald Tusk habe tags zuvor vor Journalisten gesagt: „Unsere Einstellung zur Kernenergie hat sich nicht geändert. Wir müssen aber flexibel auf die Energiesituation in Europa reagieren. Momentan spielt Gas als Energiequelle eine wichtigere Rolle als Atomenergie.“ Ursprünglich war geplant, das erste polnische Atomkraftwerk 2024 in Betrieb zu nehmen, danach ein zweites. Ein weiterer Grund für den späteren Bau sind die astronomischen Kosten von 50 Milliarden Zloty (12 Milliarden Euro).
  • Die Nachricht wurde von Atomkraftgegenern in Deutschland begeistert verbreitet. contrAtom zog am 22.06.2013 die Schlussfolgerung, "in Polen, einem der wenigen europäischen Länder, das bisher über keine Atomkraftwerke verfügt, werden auch in absehbarer Zukunft keine gebaut. Atomkraftgegner hatten vehement gegen die Pläne protestiert."
Wenige Tage später, am 25.06.2013, berichtete das unabhängige Nachrichtenportal "Infoseiten-Polen", der Wojewode der Wojewodschaft Westpommern habe als Repräsentant der Warschauer Zentralregierung klargestellt, dass das Ostsee-Dorf Gaski zwischen Kolobrzeg/Kolberg und Koszalin/Köslin weiterhin als Standort für das erste polnische Atomkraftwerk in Frage komme. Der westpommersche Wojewode wies in einem Schreiben zwar darauf hin, dass das Festhalten an Gaski als möglichem Standort nicht mit einer Baugenehmigung zu verwechseln sei und er die Auffassung der Bevölkerungsmehrheit in dieser Frage durchaus akzeptiere. Aber er müsse als Wojewode auch beachten, dass der Bau eines Atomkraftwerks “eine unvergleichliche Chance für die wirtschaftliche und zivilisatorische Entwicklung der Region” darstelle.

"Momentan spielt Gas als Energiequelle eine wichtigere Rolle als Atomenergie", hatte Tusk gesagt. Gleichzeitig zeichnete sich ab, dass die speziell von US-Firmen in den Jahren 2009 bis 2011 abgegebenen Schätzungen über die polnischen Schiefergas-Vorkommen weit übertrieben waren. (Infoseiten-Polen) Der Widerstand gegen Fracking ist außerdem massiv: Die Einwohner des ostpolnischen Dorfes Zurawlow blockierten zwei Wochen die Zufahrt zu einem Gelände, auf dem der US-Konzern Chevron nach Schiefergas bohren will. 
Im Unterschied zur Windenergie spielt die Solarenergie in Polen praktisch keine Rolle.
Noch im März 2013 hatte Tusk erklärt, in den nächsten 10 bis 12 Jahren werde die polnische Stromversorgung weiterhin auf den herkömmlichen Energieträgern beruhen, wobei den erneuerbaren Energien eine wachsende Bedeutung zukomme. In diesem Zeitraum und noch lange danach wird für Polen aber die Braunkohle der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung sein. Danach gelte es einen Energie-Mix aufzubauen, in dem auch die Kernenergie eine bedeutsame Rolle spielen müsse.
Am 18.06.2013 haben Greenpeace-Aktivisten in Bogatynia, Polen einen 100 Meter hohen Kühlturm des polnischen Energie Konzerns (PGE) erklettert. Sie protestierten gegen die polnische Braunkohleindustrie und wiesen auf die schwer gesundheitsschädlichen Auswirkungen hin und darauf, dass allein im Jahre 2010 über 2.000 Tote auf das Konto der schädlichen Emissionen der Kohlekraftwerke von PGE S.A. gingen.

Warten wir also die nächsten Nachrichten im Herbst 2013, nach den Bundestagswahlen in Deutschland, ab.