Freitag, 29. April 2011

Radioaktivität in der Medizin

Die moderne Medizin ist ohne die Nuklearmedizin kaum vorstellbar. Täglich finden 70.000 nuklearmedizinische Untersuchungen statt, bei Chemotherapien ebenso wie vor und nach Transplantationen oder zur Vorbereitung von Herzoperationen. Szintigramme sind für tausende Menschen lebensrettend. Radioaktive Teilchen, sogenannte Isotope, spielen in der medizinischen Diagnostik und in der Therapie eine wichtige Rolle. Sie werden in kleinsten Dosen eingesetzt. Geschulte Mediziner erkennen im Strahlungsverhalten gesundheitliche Störungen.

- Ionisierende Strahlung und radioaktive Stoffe werden z.B. in der Krankheitsfrüherkennung angewandt. Wegen der ansteigenden Anzahl von Krebserkrankungen besteht daran in allen industrialisierten Ländern ein zunehmendes Interesse.
- Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) dient zur Untersuchung von Erkrankungen des Gehirns, Herzens sowie onkologischer Erkrankungen.
- Ein rasanter Anstieg der medizinischen Anwendung ionisierender Strahlung und radioaktiver Stoffe in der medizinischen Diagnostik ist bei den Untersuchungen mittels der Computertomographie (CT) zu beobachten.
- Nuklearmedizinischer Verfahren werden bei Epilepsie und der Alzheimer-Demenz und für Studien zur Charakterisierung regionaler neurologischer Funktionen eingesetzt.

Zur konventionellen nuklearmedizinischen Diagnostik werden meist Isotope mit kurzer Halbwertszeit (Stunden bis Tage) verwendet, die Gammastrahlen abgeben, am häufigsten das Isotop Technetium-99m (Tc-99m), mit dem der Nuklearmediziner beispielsweise erkennen kann, ob Knochen von Metastasen befallen sind oder ob die Nierenfunktion gestört ist. Technetium-99m ist ein Zerfallsprodukt von Molybdän-99, das weltweit nur in sehr wenigen Reaktoren, meist in kleinen Atomreaktoren (Forschungsreaktoren) hergestellt wird. Wegen der kurzen Halbwertszeit des Molybdäns 99 (66 Stunden) muss Molybdän-99 ständig produziert werden.

Die Produktion von Molybdäns 99 erfolgt in Reaktoren mit hohem Neutronenfluss. Dazu wird hochangereichertes Uran-235 durch den Beschuss mit Neutronen gespaltet, woraus das Radionuklid Molybdän-99 als ein Spaltprodukt hervorgeht.
Uran-235 möchte die Internationale Atomenergieorganisation aus solchen Anlagen verbannen, da, wenn man es für die Isotopen-Produktion benutzt hat, danach Uran übrig bleibt, aus dem man Bomben bauen kann. Statt waffenfähigem Uran ließe sich zwar auch natürliches, für Waffen ungeeignetes Uran verwenden, Uran-238, das drei Neutronen mehr im Atomkern hat. Um daraus medizinische Radionuklide zu gewinnen kann das natürliche Uran statt mit Neutronen, mit energiereichem Licht bestrahlt werden. Dafür brauchte man jedoch eine hohe Anzahl von Elektronenbeschleunigern. Auf die gefährlichen Reaktorkerne könnte man zwar verzichten, .

Weitere zur nuklearmedizinischen Diagnostik verwendete Isotope sind unter anderem Jod-123, Thallium-201, Indium-111 und Jod-131.

Forum Medizin und Energie (FME), Schweiz
BMU
Björn Schwentker, Deutschlandfunk, 23.02.2009
Arbeitsgemeinschaft Ja zur Umwelt, Nein zur Atomenergie

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